Björn Klippstein

Standards und Normen

Klippstein IT Service

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Man kann zwischen Standards und Normen unterscheiden. Internettechnologien sind eher standardisiert als genormt. Den Unterschied erläutert die folgende Gegenüberstellung:

Normen Standards
Normen sind Standards oder Regeln, die durch Normungsorganisationen (siehe unten) veröffentlicht wurden. Standards können sich aber auch ohne Normung bilden. Manchmal spricht man dann auch von Quasi-Standards.
Beispiele für Normen:
  • ASCII, der Ur-Zeichensatz des ANSI-Institutes. Das ANSI-Institut ist die nationale Normungsorganisation der USA
  • ISO 8859-1, der wohl gebräuchlichste Nachfolger von ASCII — eine Norm der internationalen ISO International Organization for Standardization
  • DIN A4, eine technische Norm des DIN Deutschen Institut für Normung für ein Papierformat (heute DIN EN ISO 216, früher DIN 476)
  • ISO 9000, eine Verfahrensnorm für Qualitätsmanagement der ISO
  • .de, ein Länderkürzel und damit ein Beispiel einer klassifikatorischen internationalen Norm
  • ...
Beispiele für Standards, die nicht genormt sind:
  • HTML Hypertext Markup Language
  • HTTP Hypertext Transfer Protocol
  • Atom Syndication Format
  • Unicode
  • TCP Transmission Control Protocol
  • IP Internet Protocol
  • PPP Point-to-Point Protocol
  • ...


Standardisierungs-Organisationen

die das Internet betreffen

Abk. Name der Organisation Standards
W3C World Wide Web Consortium HTML, CSS, XML, ...
IETF Internet Engineering Task Force Netzwerkprotokolle wie TCP, IP, HTTP, ..., veröffentlicht als RFC Request for Comments
IANA Internet Assigned Numbers Authority vergibt IP-Adressblöcke, vergibt TLDs, verwaltet DNS Domain Name System, standardisiert URI-Schemata und Zeichenkodierungen
Unicode-Consortium Unicode
IEEE Institute of Electrical and Electronics Engineers IEEE 802 (LAN), IEEE 1394 (Firewire), IEEE 754 (Gleitkomma-Arithmetik), IEEE 1003 (POSIX), ...
OMA Open Mobile Alliance WAP, WML, XHTML Mobile Profile, ...


Die Standardisierungs-Organisationen haben zueinander oft eher informelle Beziehungen:

Organigramm
Standardisierungsorganisationen


Normungs-Organisationen

Normungs-Organisationen sind staatlich und zwischenstaatlich organsiert. Sie haben eine klare Hierarchie, ihre Beziehungen untereinander sind durch Verträge geregelt:

Normungsorganisationen
Normungsorganisationen(Mouseover für lange Namen)

  • Weltweite Normungsorganisationen
    • ISO International Organization for Standardization
    • IEC International Electrotechnical Commission
    • ITU International Telecommunication Union
  • Europäische Normungsorganisationen
    • CEN Europäisches Komitee für Normung
    • CENELEC Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung
    • ETSI Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen
  • Nationale Mitglieder der ISO
    • Deutschland: DIN Deutsches Institut für Normung
    • Österreich: Österreichisches Normungsinstitut (ON)
    • Schweiz: Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV)
    • Großbritannien: British Standard Institute (BSI)
    • Luxemburg: Service de l’Energie de l’Etat (SEE)
    • Japan: Japanese Standards Association (JSA)
    • USA: American National Standards Institute (ANSI)
    • ...

Ebenen der Normungsarbeit

Nationale Normung

In Deutschland ist die Normung eine planmäßige Gemeinschaftsarbeit der so genannten interessierten Kreise. Dies sind Experten aus den Bereichen Unternehmen, Handel, Hochschulen, Verbraucher, Handwerk, Prüfinstitute, Behörden. Die Normungsarbeit ist in Normenausschüssen und Arbeitsgruppen innerhalb des DIN Deutschen Institut für Normung organisiert.

Der Normungsprozess

Das Einleiten von Normungsarbeiten kann von jedem Interessierten beantragt werden, indem ein begründeter Normungsantrag gestellt wird. Der zuständige Normenausschuss entscheidet über dessen Annahme oder Ablehnung. Für die Entscheidung ist zu klären, ob für den Normungsgegenstand ein Bedarf besteht bzw. zu erwarten ist und ob die interessierten Kreise bereit sind, am Normungsvorhaben mitzuarbeiten und zur Finanzierung beizutragen. Angenommene Normungsanträge werden im „DIN-Anzeiger für technische Regeln“ veröffentlicht. Im Ausschuss treffen die interessierten Kreise aufeinander, wobei die Anzahl der Experten nicht höher als 21 sein soll, und erarbeiten auf Basis einer Normvorlage einen Norm-Entwurf. Dieses Dokument entsteht im Konsens. Der Norm-Entwurf wird veröffentlicht. Die Öffentlichkeit sowie Experten, die nicht persönlich am Normungsprozess beteiligt waren, haben vier Monate Zeit, um zum Norm-Entwurf Stellung zu beziehen. In weiteren drei Monaten berät der Arbeitsausschuss die Stellungnahmen. Ein Schlichtungsverfahren regelt strittige Fälle. Nach der Verabschiedung der endgültigen Fassung durch den Ausschuss und die Prüfung durch das DIN wird das Ergebnis als DIN-Norm veröffentlicht.

Der Normungsprozess wird detailliert in der DIN 820-4 „Normungsarbeit – Geschäftsgang“ geregelt.

Europäische Normung

Die Europäische Normung wird im Rahmen der drei Organisationen CEN, CENELEC und ETSI durchgeführt. CEN bezeichnet sich als ein „System formaler Prozesse zur Herstellung von Normen, das durch die 29 nationalen Mitgliedsorganisationen getragen wird“. Die nationalen Mitgliedsorganisationen stimmen über Europäische Normen ab und implementieren diese. Die Normungsorganisationen haben – ausgenommen ETSI – je Land nur ein Mitglied, das die gesamten Normungsinteressen dieses Landes zu vertreten hat. Bei Abstimmungen haben die Mitglieder entsprechend ihrer Wirtschaftskraft unterschiedliche Stimmen. Deutsche Interessen werden durch das DIN in Europa vertreten.

Das Ziel der europäischen Normung ist die Harmonisierung der nationalen Normen in den Mitgliedsländern durch einheitliche Einführung von Europäischen Normen. Durch die europäische Normung sollen Handelshemmnisse abgebaut werden und gleiche Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen für den europäischen Binnenmarkt geschaffen werden.

Mitarbeit in europäischen Normungsgremien

In Deutschland entscheiden die einzelnen Normenausschüsse des DIN über die Mitarbeit an einem europäischen Normungsvorhaben. Die fachliche Betreuung wird einem Arbeitsausschuss, einem so genannten Spiegelausschuss zugewiesen. Dieser hat eine deutsche Meinungsbildung durchzuführen und sie im europäischen Gremium zu vertreten. Dies kann durch schriftliche Kommentare, Entsendung von Delegationen und/oder Benennung von Experten geschehen.

Bei Vorliegen eines Normungsantrages in Deutschland hat das DIN zu überprüfen, ob zu diesem Thema ein europäischer Normungsprozess besteht bzw. der Normungsvorschlag für diese Ebene in Betracht zu ziehen ist.

Ist der Schlussentwurf einer Europäischen Norm in einer formellen Abstimmung von der Mehrheit der abstimmenden Länder angenommen worden, so muss er von den Mitgliedsorganisationen in das nationale Normenwerk übernommen werden.

Internationale Normung

Die Internationale Normung wird im Rahmen der drei Organisationen ISO, IEC und ITU durchgeführt. ISO und IEC haben je Land nur ein Mitglied, das die gesamten Normungsinteressen dieses Landes zu vertreten hat. Für Deutschland ist das DIN Deutsches Institut für Normung Mitglied der ISO International Organization for Standardization.

Ziel der Internationalen Normung ist es, internationale Vereinbarungen als Internationale Normen zu veröffentlichen. Ihre Aufgabe ist, die Normung und damit zusammenhängende Bereiche weltweit zu fördern, um den internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr zu erleichtern und die Zusammenarbeit auf allen Gebieten geistiger, wissenschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Tätigkeit auszubauen.

Die deutsche Mitarbeit in der internationalen Normung erfolgt nach ähnlichen Prinzipien wie bei der Europäischen Normung (siehe oben). Im Unterschied zur Europäischen Normung haben die Mitglieder in der internationalen Normung jeweils nur eine Stimme. Es besteht für die nationalen Mitglieder die Möglichkeit, aber keine Verpflichtung, internationale Normen in das nationale Normenwerk zu übernehmen. Sollte eine internationale Norm in das nationale Normenwerk übernommen werden, so darf dies nur als vollständige, identische Übernahme erfolgen.

Pflicht zur Übernahme von Normen

Übernahme von europäischen Normen in das nationale Regelwerk

Nach der Vilamura-Regelung der Europäischen Union mit dem CEN muss jedes Mitglied der Europäischen Union das komplette Regelwerk EN in das nationale Regelwerk zu 100 % übertragen. Dieses Verfahren soll nicht nur Handelshemmnisse abbauen, sondern auch die Benachteiligung von wirtschaftsschwächeren Ländern gegenüber wirtschaftsstärkeren Ländern vermindern.

Übernahme von internationalen Normen in das nationale Regelwerk

Internationale Normen, die von der ISO herausgegeben werden, müssen nicht ins nationale Regelwerk übernommen werden müssen. Aus diesem Grund hat CEN mit der ISO eine Vereinbarung getroffen, die vorsieht, dass ausgewählte internationale Normen in das europäische Regelwerk übernommen werden. Und wie oben ausgeführt, müssen diese ins nationale Regelwerk übernommen werden.


Siehe auch

  • RFC Request for Comments






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